Eckenbrüller #007

Wir waren Anfang April beim Analogforum der Analogue Audio Association in Moers. Dort konnten wir einen Beitrag zur Musikproduktion des neuen Albums von Leslie Mandoki (Mandoki Soulmates) hören. Bezeichnend war, dass Leslie begeisternd von den Möglichkeiten und dem Ergebnis analoger Musikproduktion sprach.
Passend dazu bin ich im Fachjournal "studio magazin" über das Editorial des Chefredakteurs Fritz Fey "gestolpert" Darin wird ziemlich genau das Wesen einer analogen Musikproduktion beschrieben. Mit freundlicher Genehmigung dürfen wir diesen Beitrag hier zitieren und bedanken uns bei Herrn Fey.

Liebe Grüße
Euer Vorstandsvorsitzender - 11. August 2025 

Malen nach Zahlen
Fritz Fey Chefredakteur

Ich leide unter einem extrem schlechten Orientierungssinn – und ich meine wirklich ganz schlimm schlecht. Mit einem Navigationssystem ausgestattet bewege ich mich dennoch souverän durch das Straßennetz einer fremden Stadt – sogar nachts. Ich bin praktisch der lebende Beweis dafür, dass Technologie uns befähigen kann, eigene Schwächen zu überwinden. Trotzdem würde ich nie behaupten, mich in einer Stadt auszukennen. Ich bewege mich zielgerichtet – aber nicht bewusst. Ich komme an – aber ich verstehe nichts vom Weg. So ungefähr bewerte ich heute die Voraussetzungen für die 'moderne' Musikproduktion. Was einst als sensibles, rollenverteiltes Wechselspiel aus Erfahrung, Intuition und persönlicher Handschrift galt, wird zunehmend durch visuelle Kontrolle, Targets und automatisierte Entscheidungssysteme ersetzt. Im Zentrum dieser Entwicklung steht ein bemerkenswerter Widerspruch: Noch nie war der Zugang zu professionellen Werkzeugen so niedrigschwellig – und zugleich der Abstand zu einer individuellen Klangsignatur so groß. Die Hilfsmittel sind vielfältig und versprechen dem ambitionierten Einsteiger, ihn so wie die erfolgreichen Chartstürmer klingen zu lassen. Aber selbst wir Profis laufen zunehmend Gefahr, das Wichtigste zu vergessen, was wir bei Aufnahme, Mischung und Mastering zur Verfügung haben - unsere Ohren.

Bevor KI-gestützte Plug-Ins mit vollmundigen Versprechungen auf den Markt drängten, gab es schon Analyzer, Match-EQs und die grafische Darstellung von Filterkurven, die uns in die Verlegenheit brachte, zu entscheiden, ob eine 'komisch' aussehende EQ-Kurve gut klingen kann. Wer hat sich schon selbst dabei erwischt, eine Anhebung etwas zurückzunehmen, weil die Kurve zu dramatisch aussah? Was gut klingt, muss schließlich auch gut aussehen. Wir orientieren uns an LUFS-Targets und übertreffen diese aus Angst zu 'leise' zu sein. Wir analysieren das Spektrum eines Erfolgstitels und verbiegen unsere eigene Mischung mit einem Match-EQ. Bevor wir als Profis also den Finger heben, sollten wir selbst darüber nachdenken, inwiefern Analyse-Werkzeuge uns davon abhalten, so zu klingen, wie es unsere Ohren eigentlich gewollt hätten. Inzwischen entscheiden KI-Plug-Ins den Klang einer Produktion für diejenigen, die unsicher sind. Die eigentliche Kontroverse liegt nicht in der Existenz dieser Technologien, sondern in ihrer unhinterfragten Dominanz. Werkzeuge, die ursprünglich als Hilfsmittel gedacht waren, entwickeln sich zu Autoritäten. Was dabei verloren geht, ist nicht nur der künstlerische Zufall, sondern auch das Risiko, sich klanglich zu irren – und aus diesem Irrtum etwas Eigenes entstehen zu lassen.

Stattdessen bügelt der dynamische EQ automatisch Unebenheiten im Spektrum aus oder der Mastering-Assistent vergleicht meinen Mix mit dem Best-Of-Charts-Angebot und presst ihn in eine Form spektraler und dynamischer Statistik – messbar, vergleichbar, uninspiriert von Emotionen.  Wir geben schrittweise Verantwortung an Assistenz-Software ab, die für uns bestimmt, was gut klingt. Diese Entwicklung geht tatsächlich über eine 'Erweiterung' des kritischen Hörens hinaus – unsere Ohren werden ersetzt. Das Vertrauen in eigene Klangvorstellung wird von dem Wunsch unterwandert, es 'richtig' machen zu wollen – auch wenn 'richtig' ein algorithmisch generierter Durchschnitt ist. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass moderne Hilfsmittel enorme Vorteile bieten, solange man als Anwender die Kontrolle behält. Musik entsteht nicht aus Effizienz, sondern aus Unsicherheit, Neugier, Wagnis. Sie lebt nicht von Optimierung, sondern vom Charakter. Die Demokratisierung von Technik, der Zugang zu professionellen Bearbeitungswerkzeugen und die Möglichkeit, auch unter widrigen Umständen zu überzeugenden Ergebnissen zu kommen, mit virtualisierter Regieraumakustik über den Kopfhörer, sind reale Errungenschaften. Trotzdem sollten wir immer im Auge halten, dass kein KI-Assistent dieser Welt weiß, was für einen Song emotional wichtig ist. Er kann (bisher) nur etwas nachahmen, das es schon gegeben hat.

Eckenbrüller #006

Buchempfehlungen


Die vergangenen Jahre unseres Musikgenusses von der Konserve sind eng mit der analogen Aufzeichnungstechnik - dem Tonband - verbunden. Zwei empfehlenswerte Bücher geben einen umfassenden Einblick in diese faszinierende Technik der Musikaufzeichnung. 

Zum einem das Buch „Die analogen Hitmaschinen“ von Karl-Hermann von Behren (erschienen am 27.08.2004, ISBN-103-9807636-4-1, ISBN-13978-3-9807636-4-6), 

sowie „an affair to remember“ von Burkhardt Schwäbe (EternalArts https://audioclassica.de/de/eternalarts.html).

Liebe Grüße
Euer Vorstandsvorsitzender - 09. Juli 2025

Eckenbrüller #005

Zugegebenermaßen - ich mochte schon immer urige Musikkneipen, ausgefallene Clubs und Locations, die etwas aus der Reihe tanzen.

Aber dieser Abend in der kleinen Weltlaterne war etwas ganz besonderes. Und das nicht nur, weil das Personal meine Bestellungen trotz meiner Herkunft ohne große Nachfragen richtig aufnahm :-). Nein, dieser Ort hatte etwas magisches und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Waren es vielleicht die vielen alten Emailleschilder, auf welchen die Gäste unter anderem vor dem Holzhauen und Koksklopfen im Keller gewarnt wurden? Oder war es der eindringlich-verführerische Blick von Ingrid van Bergen an der Wand? Ich kann es nicht mehr genau sagen... 

Was ich jedoch sicher sagen kann, ist, dass mich Jürgen Bailey mit seiner Band gefesselt hat. Es war schlichtweg ein Genuss für Augen und Ohren und das sah man allen Gästen an. So konnten es nur wenige sitzend auf ihren Stühlen aushalten - der Rest verwandelte den Eingangsbereich der Laterne in eine ausgelassene Tanzfläche.

Laterne, wir kommen wieder!

Liebe Grüße
Euer Vereinsmitglied Detlef Postler - 26. Juni 2025

Eckenbrüller #004

Es gibt Situationen, die erfordern unbedingte Aufmerksamkeit. Das trifft insbesondere auch auf die Stromversorgung unserer so geliebten HighEnd- und HiFi-Geräte zu.

Dass man dafür auch so richtig zulangen kann, zeigen diese Aufnahmen. Blöd nur, wenn der Weg zur Steckdose dann wieder alles in Frage stellt ;-)

Gesehen bei einer Vorführung wirklich exzellenter Geräte namhafter Hersteller.

Wir meinen, wenn schon, dann auch konsequent bis rein in die Steckdose. Auch wenn es nur um eine Vorführung geht, oder gerade deswegen.

Euer Vorstandsvorsitzender 
Holger Gronow

5 & 6. April 2025

Eckenbrüller #003

Als es noch kein „digital“ gab…
…dafür aber psychedelische Tapetenmuster...

Aus dieser Zeit stammt meine erste Begegnung mit der Tonband-Technik durch meinen Opa. Was haben mich damals die drehenden Tonbandspulen fasziniert, ja förmlich hypnotisiert, als ich einfach nur vor dem Tonbandgerät stand und die Technik bewunderte…

Anfangs durfte ich zwar nur passiv an dieser Erfahrung teilhaben, später aber schätze mein Opa meine Fingerfertigkeit und ich durfte im Falle von Beschädigungen seine Bänder kleben und reparieren. Seine berühmte BASF-Hobby-Box und seinen BASF-Tonband Brevier von 1965 (!) besitze ich übrigens heute noch, was eine schöne Erinnerung an diese spannende analoge Zeit für mich ist.

Das hat natürlich tiefe Spuren hinterlassen, und so bin ich immer noch ein Anhänger der analogen Musikaufzeichnung, auch wenn „digital“ bereits seit langen Jahren Einzug in unseren Alltag gehalten hat.

Liebe Grüße
Euer Vereinsmitglied Detlef Postler - 7. März 2025

Eckenbrüller #002

Es war einmal August 2022, mitten im damaligen Büro von Herrn Holger Gronow. Überall standen seltsam aussehende Geräte herum und das war mir damals schon aufgefallen, es wurden immer mehr. 

Also fragte ich Herrn Gronow/ meinen Vater, was er denn damit vorhat und wozu die gut sein sollen? Seine Antwort: “zum Aufnehmen”. Daraufhin fragte ich ihn, ob man damit auch Texte aufnehmen könne? Seine Antwort: "ja". Gesagt, getan.

In den nächsten Wochen schien die Besorgungs-Lust von meinem Vater ins Unermessliche zu steigen und ein paar Wochen später hatte ich Kopfhörer auf, stand vor einem Mikrofon - bei dem man gefühlt einen Wimpernschlag hören konnte - und las Texte vor. 

Und jetzt bist Du dran! Welches musikalische Stück möchtest du gerne einmal von dir aufnehmen und natürlich auch anhören?! 

P.S. alles ist möglich, du wirst dabei sicher über dich hinauswachsenund viel Spaß haben. 

Liebe Grüße, Bettina Gronow

P.P.S.

Unser kleines Musikstudio soll nur das gesamte Thema dem Interessierten nahe bringen - und wir wollen selbst vor allem Spaß dabei haben. Euer Vorstandsvorsitzender Holger Gronow

Eckenbrüller #001

Heute habe ich mal wieder in verschiedenen Journalen und Magazine gestöbert. Fast durchgängiger Tenor: Verfall der Musik- und HiFi-Kultur!

Ist das so? Ja, man kann feststellen, dass für Hifi-Technik / Geräte  und physische Medien immer weniger ausgegeben werden. Aber warum ist das so? 

Antworten findet man z. B. eben in diesen einschlägigen Journalen und Magazinen. Dort werden hochpreisige Geräte gehuldigt. Welcher interessierte Hörer ist denn wirklich bereit, für einen CD-Player knapp 9.000,- EUR auszugeben? Oder für einen Phono-Preamp über 4.000,- Euro?

Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass sich die Branche selbst in Schwierigkeiten bringt und dabei noch von der Presse unterstützt wird. Jeder, auch nur ansatzweise interessierte Hörer, kapituliert vor diesen Zahlen und wendet sich wieder seinen Ohrstöpseln zu. 

Immer nach dem Credo, “hört sich doch gar nicht so schlecht an".

In diesem Sinne, es gibt viel für uns zu tun!

Euer Vorstandsvorsitzender 
Holger Gronow

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